Sofia, 10. Februar 2026 – Die politische Situation in Bulgarien stand in den vergangenen Wochen verstärkt im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Proteste, der Rücktritt der Regierung sowie aktuelle institutionelle Veränderungen werfen insbesondere mit Blick auf Investitionssicherheit und wirtschaftliche Perspektiven Fragen auf. Vor diesem Hintergrund lud die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (AHK Bulgarien) gemeinsam mit der Deutschen Botschaft in Sofia und den deutschen politischen Stiftungen zu einer Informationsveranstaltung ein, um die gegenwärtigen Entwicklungen einzuordnen und ihre Bedeutung für die Wirtschaft zu beleuchten.
Für deutsche Unternehmen stellt sich dabei vor allem die Frage, wie belastbar der Standort Bulgarien trotz der politischen Übergangsphase bleibt. Die zentrale Erkenntnis der Veranstaltung: Die aktuellen politischen Spannungen spiegeln sich nicht in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes wider. Bulgarien ist durch ein starkes Unternehmertum geprägt und trotz der politischen Turbulenzen der vergangenen Jahre zeigt sich die Wirtschaft beeindruckend robust.
Auf dem Podium diskutierten Dr. Horst Stüer, Präsident der AHK Bulgarien, Dr. Frederik Hanke, stellvertretender Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, sowie Norbert Beckmann-Dierckes von der Konrad-Adenauer-Stiftung Bulgarien und Martin Kothée von der Friedrich-Naumann-Stiftung Bulgarien. Sie ordneten die aktuelle Lage aus politischer und wirtschaftlicher Perspektive ein. Moderiert wurde das Panel von Sonja Miekley, Hauptgeschäftsführerin der AHK Bulgarien.
In den Beiträgen und der anschließenden Diskussion kristallisierten sich mehrere zentrale Punkte heraus, die für Unternehmen bei der Bewertung des Standorts Bulgarien besonders relevant sind.
Politische Proteste als Ausdruck gesellschaftlicher Reife
Ein zentrales Ergebnis der Diskussion: Die jüngsten Proteste sind weniger als Zeichen politischer Instabilität zu werten, sondern vielmehr als Ausdruck einer aktiven Zivilgesellschaft. Insbesondere die starke Beteiligung junger Menschen, darunter viele Rückkehrer aus dem Ausland, verdeutlicht den Wunsch nach Rechtsstaatlichkeit, fairen Wahlen und einer klaren europäischen Orientierung, Faktoren, die aus wirtschaftlicher Sicht eher auf politische Erneuerung als auf strukturelle Risiken des Standorts hindeuten.
Bulgarische Wirtschaft zeigt hohe Resilienz
Trotz wiederholter politischer Übergangsphasen hat sich die bulgarische Wirtschaft als bemerkenswert stabil erwiesen. Seit 2021 fanden in Bulgarien sieben Parlamentswahlen statt. Dennoch verzeichnete das Land in diesem Zeitraum ein solides Wirtschaftswachstum.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die enge Einbindung Bulgariens in europäische und transatlantische Strukturen. Die Mitgliedschaften in EU und NATO sowie der vollständige Beitritt zu Schengen und die Einführung des Euro im Januar 2026 schaffen einen stabilen institutionellen Rahmen. Dieser begrenzt den Spielraum für kurzfristige wirtschaftspolitische Richtungswechsel und wirkt damit stabilisierend auf den Wirtschaftsstandort.
Kommunale Strukturen und Unternehmergeist als Stabilitätsfaktoren
Ein wesentlicher Stabilitätsfaktor sind funktionierende kommunale Strukturen in Bulgarien. Auch in Phasen politischer Übergänge sorgten bulgarische Städte und Gemeinden für verlässliche Verwaltungsabläufe und boten Unternehmen verlässliche Ansprechpartner vor Ort.
Hinzu kommt ein ausgeprägter Unternehmergeist im Land. Viele wirtschaftliche Fortschritte entstanden in Bulgarien nicht durch staatliche Großprojekte, sondern durch private Initiativen, Innovationsbereitschaft und pragmatische Lösungen. Die zunehmende Rückkehr qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland verstärkt diesen Trend und trägt zusätzlich zur Stabilität des Arbeitsmarktes und des Investitionsumfelds bei.
Investitionsperspektiven bleiben positiv
Für deutsche Unternehmen ergibt sich aus der aktuellen politischen Lage keine nachhaltige Verschlechterung der Investitionsbedingungen. Standortvorteile wie niedrige Steuern, eine weit fortgeschrittene Digitalisierung, leistungsfähige Infrastruktur und gut ausgebildete Fachkräfte bleiben bestehen. In einzelnen Bereichen, etwa Verteidigung, Energie, Digitalisierung und Konnektivität, wurden zusätzliche Wachstumschancen identifiziert.
Zentrale Botschaft an deutsche Unternehmer
Die klare Kernaussage der Veranstaltung lautete: Bulgarien bleibt ein attraktiver und verlässlicher Wirtschaftsstandort mit positiven Wachstumsprognosen. Investitionen erfordern
weniger Mut, als es die politische Berichterstattung vermuten lässt. Wirtschaftlicher Erfolg hängt vor allem von unternehmerischem Engagement, lokaler Marktkenntnis und langfristiger Perspektive ab, nicht von kurzfristigen politischen Zyklen.
Rolle der AHK Bulgarien
Die AHK Bulgarien begleitet deutsche Unternehmen beim Markteintritt, Geschäftsausbau und Risikoeinschätzung und steht auch in politisch dynamischen Phasen als verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung. Gemeinsam mit Partnern aus Diplomatie und Politik trägt sie dazu bei, wirtschaftliche Kontinuität zu sichern und die deutsch-bulgarischen Wirtschaftsbeziehungen weiter zu stärken.
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