Die Zukunft wird von denen gestaltet, die heute den Mut haben, Führung zu übernehmen.
Am 6. März 2026 lud die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK) gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Bulgarien zu einem hochrangig besetzten Forum anlässlich des Internationalen Frauentags ein. Unter dem Motto „Shaping the Future: Women at the Helm" kamen Führungskräfte, Diplomaten und Vordenkerinnen zusammen, um über Krisenresilienz, Technologie und die Zukunft weiblicher Führung zu diskutieren.
Bulgarische Präsidentin eröffnet mit klarer Botschaft
Den Auftakt machte H.E. Iliana Yotova, Präsidentin der Republik Bulgarien, mit einer eindringlichen Eröffnungsrede. Sie betonte, dass Länder, die in weibliche Führungskräfte investieren, gleichzeitig in ihre Wettbewerbsfähigkeit und in die Demokratie investieren. Angesichts globaler Krisen und eines spürbaren Führungsdefizits seien Empathie, Mut und Verstand wichtiger denn je, Qualitäten, die Frauen in besonderem Maße einbringen. Gleichzeitig mahnte sie zur Dringlichkeit: Die wachsende Rolle der Künstlichen Intelligenz stelle vor allem Berufsfelder mit hohem Frauenanteil vor neue Herausforderungen, die schnelles Handeln erfordern.
Die AHK Bulgarien als bilaterale Plattform
Sonja Miekley, Hauptgeschäftsführerin der AHK Bulgarien, unterstrich in ihrer Eröffnung die besondere Rolle der DBIHK. Die bilaterale Kammer sitzt an der Schnittstelle zweier Länder mit sehr unterschiedlichen Ausgangspositionen: Bulgarien belegt innerhalb der Europäischen Union Platz 5 beim Frauenanteil in Führungspositionen. Deutschland liegt mit 29% deutliche unter dem EU-Durchschnitt. Schaut man sich die Spitzenführungskräfte an, wird deutlich, dass in Bulgarien lediglich 14% aller Geschäftsführer Frauen sind, während 25% der DAX-Vorstände in Deutschland von weiblichen Führungskräften besetzt sind. Beide Länder können also durchaus voneinander lernen, um mehr Frauen in wichtige Positionen zu bringen.
Über das women's network@dbihk schafft die Kammer Räume, in denen Frauen aus beiden Ländern sich vernetzen, austauschen und gegenseitig stärken. Dies ist eine der zentralen Kernaufgaben der Kammer.
Krisenführung aus erster Hand
Krieg, Diktatur, Vertreibung. Das erste Panel ließ keinen Zweifel daran, dass Krisenführung keine abstrakte Managementkompetenz ist, sondern gelebte Realität. H.E. Olesya Ilashchuk, ukrainische Botschafterin in Bulgarien, schilderte eindringlich, wie Frauen im Krieg nicht nur zivile Last tragen, sondern Netzwerke organisieren, Ressourcen mobilisieren und für Frieden eintreten. Und das oft ohne formelle Anerkennung. Estefanía Meléndez berichtete aus Venezuela: In einem Land, in dem politische Verfolgung zum Alltag gehört, sind es häufig Frauen, die Strukturen aufrechterhalten, die Demokratie am Leben erhalten. „H.E. Irene Maria Plank, deutsche Botschafterin in Bulgarien, zeigte am Beispiel der NATO, dass eine Organisationskultur, in der Rang zählt und nicht Geschlecht, möglich ist und wie sie aussehen kann.
Frauen an der Front von Technologie und Verteidigung
„Es zählt nicht, ob man die Erste ist, sondern dass die gläserne Decke durchbrochen wird." Mit diesen Worten brachte Cap(N) II Rank Dimana Slavova vom Panel I auf den Punkt, worum es wirklich geht. Es geht nicht um Symbolik, sondern um strukturellen Wandel. Eliza Bakardzhieva, Mitglied des strategischen Managements bei Lufthansa Technik Sofia und Vizepräsidentin der DBIHK, plädierte für eine Führungskultur, in der emotionale Offenheit nicht als Schwäche gilt, sondern als das, was sie ist: ein strategischer Vorteil. Dr. eng. Emanuela Manolova von Aurubis Bulgaria lenkte den Blick auf die nächste Generation und auf das, was sie wirklich braucht. Junge Frauen brauchen keine makellosen Erfolgsgeschichten, sondern ehrliche Einblicke in Höhen und Tiefen. Ihr Programm „Women4Metals" bietet diesen ein Raum für echte Gespräche.
Ein KI-Interview aus der Vergangenheit
Eines der eindrücklichsten Momente des Tages war ein KI-generiertes Interview mit der bulgarischen Atomphysikerin Elizaveta Karamihailova, präsentiert von Maria Tchakarova, Gründerin von Face of Sofia. Karamihailova forschte in Wien und Cambridge, lehrte an der Universität Sofia und bildete eine Generation von Physikerinnen und Physikern für Bulgarien aus. Ihre Botschaft über die Zeit hinweg: „Wartet nicht darauf, dass euch jemand den Platz anbietet. Erschafft ihn euch selbst." Mit Formaten wie diesem macht die Veranstaltung vergessene Pionierinnen sichtbar.
Digitale Führung und die Zukunft der Arbeit
Künstliche Intelligenz, digitale Souveränität, hybride Teams. Das abschließende Panel „Leading in the Digital Age" bewegte sich an der Schnittstelle von Technologie und Führungskultur. Die Diskussion machte eines deutlich: Frauen sind in der digitalen Transformation keine Nachzüglerinnen. Sie sind Gestalterinnen. Flexibilität, emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, sich schnell anzupassen, sind in einer Welt, die sich rasant verändert, keine weichen Faktoren mehr, sondern harte Wettbewerbsvorteile. Gesprochen wurde aber auch offen über die Kehrseite, den ewigen Spagat zwischen Beruf und Familie, den Druck der permanenten digitalen Vergleichbarkeit und die Notwendigkeit, die eigene Gesundheit nicht dem Perfektionsanspruch zu opfern. Denn, so der Tenor: Wer langfristig führen will, muss auch lernen, sich selbst zu führen.
Zukunft gestalten – gemeinsam
„Shaping the Future: Women at the Helm" war mehr als ein Veranstaltungstitel. Es war ein Versprechen – und an diesem Freitag in Sofia wurde deutlich, dass die Frauen in diesem Raum es einlösen. Die Botschaft des Tages war klar: Die gläserne Decke hat keine Nationalität. Und sie löst sich nicht von selbst. Aber mit den richtigen Plattformen, den richtigen Gesprächen und den richtigen Menschen am Tisch rückt sie jeden Tag ein Stück näher.