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Stellvertretender Bürgermeister von Sofia vor der DBIHK: Die Stadt braucht datenbasierte Planung – keine Wunschdenken

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Treffen mit Arch. Lyubomir Georgiev, stellvertretender Bürgermeister der Stadtgemeinde Sofia im Bereich „Stadtplanung und -entwicklung", mit Mitgliedern der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer

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Am 23.04.2026 besuchte Arch. Lyubomir Georgiev, stellvertretender Bürgermeister von Sofia mit dem Ressort „Stadtplanung und -entwicklung", die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK), um sich mit Mitgliedern der Organisation zu treffen und Fragen zu Stadtumfeld, Infrastruktur, Verkehr und künftigen Investitionsprojekten zu beantworten. An dem Treffen nahmen 50 Vertreter von Mitgliedsunternehmen der DBIHK teil.

 

Ein Flächennutzungsplan ohne Datenbasis

Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2026 als stellvertretender Bürgermeister von Sofia fand Arch. Georgiev nach eigenen Worten einen „Wunsch-Flächennutzungsplan" vor, der nicht auf Daten basiert und erhebliche Herausforderungen für die Entwicklung der Hauptstadt mit sich bringt. Der geltende Plan lässt eine doppelt so hohe Bebauung zu, was ein weiteres Wachstum der Stadt trotz des Mangels an wesentlicher Infrastruktur – Kanalisation, Straßennetz, Sozial- und Bildungseinrichtungen – impliziert. Künftig sollen Baugenehmigungen erst nach einer Analyse der vorhandenen Infrastruktur und einer Planung des zukünftigen Bedarfs erteilt werden – und stets unter Beteiligung der Bürger.

AHK Bulgarien
© AHK Bulgarien

Finanzierung und Investitionen: Auf der Suche nach Partnern

Eine der größten Herausforderungen für Sofia bleibt die Sicherstellung von Mitteln für strategische Projekte. Die Gemeinde wird Partnerschaften und einen konstruktiven Dialog mit Investoren suchen, um ein Gleichgewicht zwischen Investitionsvorhaben und den Bedürfnissen des Stadtumfelds zu erzielen. Derzeit werden große Teile der Sanierungsarbeiten über Darlehen der Europäischen Bank finanziert, da lokale Steuern hauptsächlich laufende Instandhaltungsarbeiten abdecken.

 

Für Unternehmensvertreter, die mit der Stadtgemeinde Sofia zusammenarbeiten möchten, ist es wichtig zu wissen, dass bis Ende des Jahres neue Ausschreibungen für die Sanierung von Gehwegen und Straßen, Markierungen, Beleuchtung sowie die Gesamtinstandhaltung der kommunalen Straßeninfrastruktur geplant sind.

 

Striktere Kontrolle bei Begrünung und Bebauung

Arch. Georgiev betonte die Notwendigkeit einer strikten Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Als Beispiel nannte er die maximale Bebauungsdichte und die minimale Begrünung, die häufig wörtlich ausgelegt werden – bebaut wird bis zum letzten Quadratmeter, während die Begrünung auf ein Minimum reduziert oder nach Inbetriebnahme vollständig entfernt wird. Um Verstöße zu vermeiden, sollen Objekte künftig bis zu fünf Jahre nach ihrer Inbetriebnahme streng überwacht werden.

 

Neue Direktion „Stadtumfeld": Lebendige Erdgeschosse statt Garagenwüsten

Mit seinem Amtsantritt gründete Arch. Georgiev die Direktion „Stadtumfeld". Ziel ist nicht nur eine ästhetische Verbesserung des Stadtbildes, sondern eine gezielte Planung von Gebäuden und öffentlichen Räumen für eine angenehme und sichere städtische Umgebung. Als warnendes Beispiel nannte er ganze Straßen, deren Erdgeschosse ausschließlich aus Garagen bestehen – ohne Gewerbeflächen, Büros oder öffentliche Nutzungen. Untersuchungen zeigen, dass solche „geschlossenen" Straßen zu sozialer Entfremdung und höherer Kriminalität führen können.

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Schienenverkehr und regionale Vernetzung

Arch. Georgiev bedauerte, dass das Eisenbahnnetz rund um Sofia nicht ausreichend ausgebaut ist, was die Anbindung an die Nachbargemeinden erschwert. Die Stadtgemeinde hofft auf mehr Investitionen in den Schienenverkehr und eine Erhöhung der Kontingente für Stadtlinien – wofür jedoch eine aktive Unterstützung seitens der Stadtmobilität und des Verkehrsministeriums erforderlich ist. Die Nachbargemeinden signalisieren bereits ihre Bereitschaft zur gemeinsamen Lösungsfindung.

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Bürger gefragt: Aktiv melden, damit die Gemeinde reagieren kann

Abschließend betonte Arch. Georgiev, dass eine aktive Bürgerschaft entscheidend ist. Nur durch gezielte Meldungen können die Behörden ihre Aufmerksamkeit auf die kritischsten Probleme lenken und wirksam handeln.

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