Pressemitteilung

Die Probleme der Wirtschaft in Bulgarien: Mangel an Fachkräften und Unzufriedenheit bei der Bekämpfung von Korruption

06.06.2023

Sofia - Die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK) führt seit 2005 unter ihren Mitgliedern eine Umfrage zum Geschäftsumfeld in Bulgarien durch. Die Informationen aus der Umfrage geben Aufschluss über die Herausforderungen und Probleme im Land und zeigen die Vorteile Bulgariens als Investitions- und Wirtschaftsstandort auf.

Im Jahr 2023 nahmen 84 Mitgliedsunternehmen an der Umfrage teil, die zwischen dem 13. Februar und dem 17. März 2023 in 16 mittel- und osteuropäischen Ländern gleichzeitig durchgeführt wurde. 78 % der teilnehmenden Unternehmen waren kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten, 22 % waren Großunternehmen.

Bei den Mitgliedern der DBIHK handelt es sich überwiegend um bulgarische Unternehmen, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland unterhalten, sowie um deutsche Investoren in Bulgarien.

Auf die Frage „Wie beurteilen Sie die derzeitige wirtschaftliche Situation in Bulgarien?" antworteten 17% der Befragten, dass sie gut sei und 68% bezeichneten sie als zufriedenstellend. Was die Erwartungen der Unternehmen für die Entwicklung der bulgarischen Wirtschaft im laufenden Jahr im Vergleich zum Vorjahr betrifft, so sind 25 % der Teilnehmer der Meinung, dass sie sich verbessern wird, und 52 % sagen, dass sie keine Veränderung erwarten.

37% der Befragten bezeichnen die derzeitige Situation in ihrer Branche im Vergleich zum Vorjahr als gut, und 45% von ihnen glauben, dass sie unverändert bleibt. Etwa die Hälfte der Befragten ist optimistisch, was die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens angeht. 46% von ihnen bewerten sie als gut.

Traditionell wird die Frage gestellt: „Wie werden sich Ihre Investitionsausgaben in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr entwickeln?" 48% der befragten Unternehmen antworten, dass sie steigen werden, im Vergleich zu 53% im letzten Jahr, und 42% gaben an, dass sie gleich bleiben werden. 92 % aller Befragten sagen, dass sie Bulgarien wieder als Standort für ihre Investitionen wählen würden (2022 gaben 100 % der Befragten an, dass sie Bulgarien wieder wählen würden), und 44 % von ihnen bezeichneten Bulgarien als attraktiven Ort für Investitionen.

Was die Arbeitskosten angeht, sind 42 % der Unternehmen sehr zufrieden oder zufrieden, aber nur 14 % sind mit der Qualität der akademischen Ausbildung und nur 15 % mit der Qualität der  Berufsbildung zufrieden. Unser gemeinsames Ziel ist es, Bulgarien zu einem modernen und attraktiven Ort zum Arbeiten, Leben und Wirtschaften zu machen. Dazu ist es notwendig, die Attraktivität der dualen Ausbildung zu erhöhen, die Hochschulbildung zu reformieren, das Arbeitsrecht zu modernisieren und die Verwaltungsprozesse in Bulgarien zu optimieren. Aus Sicht der Entwicklung der bulgarischen Wirtschaft sind einige der dringendsten Maßnahmen, die zu treffen sind, in erster Linie mit der Bereitstellung von Fachkräften für die Unternehmen verbunden. In diesem Bereich sind schnelle Entscheidungen sowohl seitens des Staates als auch der Unternehmen erforderlich, damit sich Bulgarien auch in Zukunft als attraktiver Wirtschaftsstandort positionieren und entwickeln kann. Im Hinblick auf den Personalmangel in Bulgarien hat der DBIHK-Vorstand beschlossen, dass die Kammer in den Jahren 2023-2024 verschiedene Initiativen vorbereiten und umsetzen wird, die dem Fokusthema „Fachkräftesicherung für Wohlstand und Wachstum" gewidmet sind. Auf die Frage nach den Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Unternehmen gaben 63 % der Befragten an, dass die Arbeitskosten steigen würden, und 45 %, dass das Produktions- und Dienstleistungsangebot zurückgehen würde. Die diesjährige Umfrage gibt auch Aufschluss darüber, welche Maßnahmen die Unternehmen in Betracht ziehen, um die Auswirkungen des Fachkräftemangels abzumildern. 74 % der Unternehmen wollen ihre innerbetriebliche Ausbildung ausbauen, 59 % setzen auf eine verstärkte Digitalisierung, 55 % werden die Gehälter stärker als der Marktdurchschnitt anheben und 49 % erwägen eine verstärkte Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen. Der Fachkräftemangel wird von den Unternehmen mit 66 % auch als eines der größten Risiken für die nächsten 12 Monate genannt, gefolgt von den Arbeitskosten mit 61 %, den Strompreisen mit 45 % und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 42 %.

Die Ergebnisse der Bewertung der Faktoren „Rechtssicherheit" und „Transparenz der öffentlichen Vergabe" weisen auf die Notwendigkeit von Änderungen und Reformen in diesen Bereichen hin, da 53 % der Befragten eher unzufrieden und 75 % davon sehr unzufrieden sind.

Nur 10 % der Teilnehmer an der Umfrage sind mit den Strompreisen in Bulgarien zufrieden. 32 % stufen das Niveau als durchschnittlich ein.

Die Zufriedenheit der Unternehmen mit der Mitgliedschaft Bulgariens in der Europäischen Union ist unbestreitbar - 86 %. Die positive Haltung gegenüber der Einführung der europäischen Einheitswährung nimmt zu. Der Prozentsatz der Befragten, die die Einführung des Euro wünschen, liegt bei 81 % gegenüber 55 % im Jahr 2022. Die diesjährige Umfrage umfasste auch die Frage „Möchten Sie, dass Bulgarien den Schengenraum beitritt?" 94% der Befragten bejahte sie.

Am unzufriedensten sind die Unternehmen einmal mehr mit der Bekämpfung von Korruption und Kriminalität. 84 % der Befragten gaben an, dass sie sehr unzufrieden oder unzufrieden sind und dass in diesem Bereich viel mehr Anstrengungen erforderlich wären.

Das Vertrauen in die öffentliche Verwaltung bleibt unverändert gegenüber 2022, wo nur 11 % zufrieden sind. Angesichts der Entwicklung der politischen Lage in Bulgarien in den letzten Monaten ist das Ergebnis von 51 % sehr unzufriedenen Befragten in Bezug auf die politische und soziale Stabilität nicht überraschend. In Bezug auf den Faktor „Vorhersehbarkeit der Wirtschaftspolitik" liegt der Zufriedenheitsgrad bei 7% zufrieden bzw. 28% eher zufrieden.

In Bezug auf die Kriterien „Steuerbelastung" waren 70 % zufrieden.

Auf die Frage „Was sind die kurzfristigen wirtschaftlichen Folgen der russischen Invasion in der Ukraine?" wiesen 85 % der Befragten auf höhere Kosten für Energie, Rohstoffe und Vorarbeiten und 51 % auf Unterbrechungen der Lieferkette und der Logistik hin. 22 % der Befragten hielten es für sehr wahrscheinlich, dass ihr Unternehmen bestehende Lieferanten ersetzen oder ergänzen wird, und 38 % hielten dies für wahrscheinlich. Neue Lieferanten werden vor allem in Mittel- und Osteuropa gesucht werden, so 66 % der Befragten. 39 % der Befragten glauben, dass die Normalisierung der internationalen Lieferketten im Jahr 2024 eintreten wird.

Deutschland ist Bulgariens Handelspartner Nr. 1 und der wichtigste Auslandsmarkt für bulgarische Produkte und Dienstleistungen. Nach Angaben des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz beläuft sich das Handelsvolumen zwischen Bulgarien und Deutschland im Jahr 2022 auf 12,08 Milliarden Euro, d.h. 2022 gab es einen Anstieg von 23,2% gegenüber 2021.

Die Exporte von Bulgarien nach Deutschland beliefen sich im Jahr 2022 auf 6,68 Milliarden Euro. Umgekehrt stiegen die Einfuhren aus Deutschland nach Bulgarien auf 5,34 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Bulgarien verzeichnet im bilateralen Handel mit Deutschland einen Überschuss von rund 1,2 Milliarden Euro.

Die aktuellen Handels- und Investitionszahlen bestätigen die positive Einstellung von Investoren und Unternehmern gegenüber Bulgarien als Wirtschaftsstandort. Die Analyse der spezifischen Faktoren des Geschäftsumfelds führt zu dem Schluss, dass die Wirtschaft entschlossene Maßnahmen in Bezug auf den Strompreis, die Überwindung des Mangels an qualifiziertem Personal, die Verbesserung der Qualität der Ausildung, die Erhöhung der Vorhersehbarkeit der Wirtschaftspolitik und die Bekämpfung der Korruption erwartet.

Die Präsenation dazu finden Sie bitte hier.