Wirtschaftsorganisationen fordern die Nennung erfolgreicher Unternehmen

Ein Diskussionsforum zum Thema „Erfolg aus der Anonymität zu holen“ fand am 18. November 2019 in Sofia statt. Die Veranstaltung wurde von der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer, der Bulgarischen Handelskammer und dem Verband des Industriekapitals in Bulgarien organisiert und ist ein Teil der Initiative „Erfolgreich in Bulgarien“, die im Juni 2019 von zehn Wirtschaftsorganisationen ins Leben gerufen wurde.

„Die Initiative „Erfolgreich in Bulgarien“ wurde dadurch ausgelöst, das Firmennamen in den Medien nicht erwähnt werden und jede Nennung einer Firma oder Marke als versteckte Werbung behandelt wird“, sagte Dr. Mitko Vassilev, Hauptgeschäftsführer der AHK Bulgarien bei der Eröffnung des Forums.

„Nur Wenige wissen, dass die ersten fünf Positionen der bulgarischen Exporte von dem Maschinenbau, der Automobilindustrie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie besetzt sind - alles Sektoren mit hoher und mittlerer Wertschöpfung. Gute Praktiken sind anonym und Probleme werden namentlich genannt“, so Vasil Velev, Vorsitzender des Verbands des Industriekapitals in Bulgarien.

Laut Radosvet Radev, Vorsitzender der Bulgarischen Wirtschaftskammer, haben die Medienschaffenden Angst, das Offensichtliche zu sagen.Das Ziel des Forums ist es, den Journalisten die Freiheit zurückzugeben.

Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts „Trend“, die von dessen Mitbegründer Dimitar Ganev vorgelegt wurde, glauben 39% der Bulgaren, dass Geschäfte in Bulgarien getätigt werden können. 34% der Befragten sagten nein und 27% konnten dies nicht beurteilen. Jüngere Menschen zwischen 18 und 41 Jahre sind viel positiver eingestellt, so die Umfrage. Ziel der Studie war es herauszufinden, ob die wirtschaftliche Realität in Bulgarien weitgehend mit dem Bild der Medien übereinstimmt, erklärte Ganev. Auf die Frage, in welche Richtung sich die bulgarische Wirtschaft entwickelt, gaben 31% der Befragten eine positive Antwort. 63% der Befragten möchten mehr über bulgarische Unternehmer erfahren. Nach den Ergebnissen der Umfrage hängt der Anstieg der Löhne hauptsächlich mit der erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung Bulgariens zusammen (48%). 39% der Befragten verbinden die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. 59% lehnen es ab, das die Namen erfolgreicher Unternehmen nicht genannt werden, und 74% der Befragten gaben an, dass negative Nachrichten in bulgarischen Medien vorherrschen.

Krasimira Velichkova, Leiterin des bulgarischen Spendenforums, sagte, dass im Jahr 2018 über 37 Mio. BGN von bulgarischen Unternehmen gespendet wurden.

„Wir haben unterschiedliche Rollen - Staatsmänner haben die Rolle zu erklären, was der Staat anbietet. Wir als Arbeitgeber müssen gute Arbeitsbedingungen schaffen, Kulturinstitutionen sollen uns Partnerschaften suchen, um gute Projekte zurealisieren und die Aufgabe der Medien ist es zu informieren. Wir alle müssen uns zusammenschließen, um ein positives Ergebnis zu erzielen“, erklärte Milena Dragijska-Dencheva, Geschäftsführerin von Lidl Bulgaria.

Kiril Valchev, Generalsekretär der Union der bulgarischen nationalen elektronischen Medien, ging auf die Frage der Selbstzensur ein, einschließlich bei den Gesprächspartnern. „Es ist unbestritten, dass es kein Gesetzgebungsproblem gibt. Es gibt methodische Richtlinien der Union der elektronischen Medien, die klar definieren, was Information ist und was als Werbung gilt“, unterstrich er. Ihm zufolge sollte es ein Gesetz über Radio und Fernsehen geben, jedoch es sollte dies Gesetz über BNT und BNR sein, welche als Beispiel fungieren sollten.

„Ich sage kategorisch, dass die Union der elektronischen Medien in diesem Bereich keine abweichenden Praktiken hat. Es gibt keine sanktionierten Medien, die eine Marke zu Informationszwecken korrekt erwähnen. Wir sind uns in einer gemeinsamen Mission einig, wenn es positive Nachrichten gibt, dass sich die Medien nicht darum kümmern, sie zu zeigen. Es gibt jedoch ernsthafte Selbstzensur. Die Gäste zensieren sich selbst“ sagte Rosita Elenova, Vorsitzende der Union der elektronischen Medien. „Das Gesetz hindert niemanden daran, Tatsachen zu melden“, erklärte Toma Bikov, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien in der 44. Nationalversammlung, und erklärte sich bereit, das Gesetz so klar wie möglich umzuschreieben, um klarer auszudrücken, was die Medien dürfen.

Die Vorsitzende des DBIHK-Fachausschusses Wirtschafsentwicklung betonte, dass es zwar Werbe- und Geschäftsinteressen gibt, jedoch müssen wir als Gesellschaft an die öffentliche Interessen und die Notwendigkeit objektiver Informationen denken. „Darüber hinaus sollten Informationen über die Erfolge und Leistungen der Menschen nicht anonym bleiben“, unterstich sie.

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