Konferenz zum Thema „Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsklima in Bulgarien“

Die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK) und die Friedrich-Naumann Stiftung für die Freiheit organisierten gemeinsam eine Konferenz zum Thema „Wettbewerbsfähigkeit und Investitionsklima in Bulgarien“. Während der Veranstaltung, die am 3. Dezember 2018 im Intercontinental Hotel stattfand, diskutierten die Gäste über die wichtigsten Voraussetzungen und Hindernisse für die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit in Bulgarien.

„In der jährlichen Konjunkturumfrage unter unseren Mitgliedern warnen Investoren seit Jahren vor dem hohen Maß an Korruption und Verwaltungslasten in Bulgarien. Fehlende Reformen im Bereich der Ausbildung und des Rechtssystems treten in den Vordergrund. Die Bewältigung dieser Herausforderungen stehen im Mittelpunkt des Wachstums und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft", sagte Dr. Maya Neidenowa, Vizepräsidentin der DBIHK. Sie wies auch darauf hin, dass andere Formen der Anziehung neuer Investoren, wie Cash-Back-Zahlungen am Beispiel von anderen mittel- und osteuropäischen Ländern erforderlich sind.

„Für uns als Liberale ist es zum Beispiel sehr wichtig, einen fairen, gleichberechtigten Zugang zur Ausbildung zu haben, denn wie können wir sonst unsere Fähigkeiten und Talente entwickeln?“, sagte Rainer Adam, Direktor von der Friedrich-Naumann Stiftung für die Freiheit in Südosteuropa. Andere Bereiche, die Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit bilden, seien Infrastruktur, Rechtsstaatlichkeit und ein stimulierendes Geschäftsumfeld, führt er weiter aus. „Wenn wir unsere eigenen Leute nicht davon überzeugen können, in das Land zu investieren, wie wollen wir ausländische Investoren anziehen?“, unterstrich Adam.

Svetla Kostadinova, Direktorin des Instituts für Marktwirtschaft, präsentierte eine Analyse des Instituts mit Fokus auf den Arbeitsmarkt in den verschiedenen bulgarischen Regionen. „Es gibt immer noch Gemeinden, die dauerhaft von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung isoliert sind und keine Investitionen anziehen können, um Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte sie. Die Errichtung einer Infrastruktur würde die wirtschaftliche Entwicklung erleichtern. Ein weiterer Akzent der Studie war der fehlende gleichberechtigte Zugang von Kindern zu einer qualitativen Ausbildung.

Gergana Genova von der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer fasste die Ergebnisse der jährlichen DBIHK-Konjunkturumfrage für das Jahr 2018 zusammen. Eine der größten Herausforderungen für die Arbeitgeber in Bulgarien sei der Fachkräftemangel, der eine Folge der anhaltenden Emigration, der demografischen Krise und der unbefriedigenden Qualität der Ausbildung im Land ist. „61% der Arbeitgeber finden es schwierig, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden“, so Genova. Trotz der Herausforderungen würden 88% der befragten Unternehmen nach den Ergebnissen der Umfrage erneut in Bulgarien investieren.

Der Gründer von Denkstatt Bojan Rashev hat eine Studie über das Geschäftsklima und die Herausforderungen von den Unternehmen vorgestellt. Der Hauptfaktor, der die Investitionen bremst, sei der Mangel an Vertrauen seitens der Gesellschaft gegenüber den Firmen in der Schwerindustrie. Rashev gab konkrete Beispiele für gescheiterte Investitionen, wie beispielsweise der Bau vom nationalen Zentrum für gefährlichen Abfall in der Nähe von Radnevo, die Schiefergas-Erkundungen im Nordostbulgarien, die Gewinnung von Wolfram in der Nähe von Velingrad sowie der Abbau von Gold in der Nähe von Tran.

Ein großes Problem für den Zustand der Rechtsstaatlichkeit sei die Korruption und die darauf einwirkenden politischen Einflüssen, so die Teilnehmer der Arbeitsgruppen. Es gibt Bedarf an Personalreformen in der Justiz, sowie Maßnahmen, die die Politik und die Justiz voneinander trennen. Die langsam arbeitende Justiz sei auch ein Problem für die Unternehmen. In einigen Bereichen gibt es Überregulationen, die durch eine Kooperation zwischen dem Staat und den Firmen erleichtert werden könnten.

Die Korruption könnte durch die Einführung von einer e-Verwaltung der öffentlichen Ausschreibungen bekämpft werden, sowie durch mehr Transparenz und größerer Qualitätskontrolle. Laut der Teilnehmer ist eine langfristige Strategie zur Infrastrukturentwicklung mit klar definierten Prioritäten und Finanzrahmen notwendig, denn es gibt immer noch Regionen, die weder eine gute Infrastruktur, noch eine funktionierende Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur aufweisen. Die Priorität der Regierung sollte die Realisierung der Autobahnen Sofia – Varna und Vidin – Kulata werden. Die Konzessionen sollten zum Ansatz für Realisierung von Infrastrukturprojekten sein. Die Teilnehmer der Veranstaltung befürworteten eine Konsolidierung der administrativen Teilung des Landes, damit auch die ärmeren Gemeinden Infrastrukturprojekte durchführen könnten. Es wurden auch nachhaltigere Ansätze in der Ausbildung vorgeschlagen, welche die Qualität erhöhen könnten. Eine gute Idee wäre auch, dass Experten die Möglichkeit bekämen unterrichten zu dürfen.

Bulgarien hat das Potential, sich als ein Koordinierungszentrum für Investitionen in der Region zu entwickeln. Dafür muss aber die Anstrengung einer Imageverbesserung erhöht werden.

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