Die Präsidenten Radev und Steinmeier diskutierten mit Vertretern von Unternehmen über das Investitionsumfeld in Bulgarien

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein bulgarischer Amtskollege Rumen Radev trafen sich mit Vertretern bulgarischer und deutscher Unternehmen in Bulgarien. Das Arbeitstreffen wurde von der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer (DBIHK) organisiert und war Teil des offiziellen Besuchs des Bundespräsidenten in Sofia am 04. April 2019.

"Bulgarien entwickelt sich zu einem sehr interessanten Wirtschaftsstandort", sagte der Präsident der DBIHK, Tim Kurth, in seiner Begrüßung. "8,3% aller Direktinvestitionen im Land kommen aus Deutschland, somit ist die Bundesrepublik mit 3,5 Milliarden Euro Direktinvestitionen der zweitgrößte Investor im Land laut unserer Studie", sagte er. Kurth hob die Vorteile Bulgariens als Geschäftsreiseziel hervor, nämlich die strategische geographische Lage in Südosteuropa, die Nähe zum deutschen Markt, die Mitgliedschaft in der NATO und der EU, eine stabile Währung und niedrigste Steuersätze in der Europäischen Union. Infolgedessen geben 88% der Mitglieder der DBIHK in der letzten jährlichen Umfrage der Kammer an, dass sie wieder in Bulgarien investieren würden, sagte er. Es sind weitere Reformen erforderlich, insbesondere im Hinblick auf die Justiz, die Bekämpfung der Korruption und die organisierte Kriminalität sowie die Achtung der Medienfreiheit. Die deutschen Unternehmen sind an politischer Stabilität, der Sicherung von Strompreisen und -versorgung, Infrastrukturinvestitionen und der Implementierung des dualen Berufsbildungsmodells im Land interessiert, fügte er hinzu.

"Die Stegerungen der Austauschzahlen  sind beeindrückend", sagte Bundespräsident Steinmeier und unterstrich den weiteren Rekord im bilateralen Warenaustausch, der 2018 über 8 Milliarden Euro betrug, sowie den Handelsüberschuss zugunsten Bulgariens. Präsident Steinmeier dankte für die Gelegenheit eines Treffens der Politik mit Vertretern der deutschen und bulgarischen Wirtschaft und appellierte an die Wirtschaftsvertreter, für offenen Dialog über ihre Erwartungen an die bulgarische und deutsche Seite, zur Verbesserung des Investitionsumfelds. "Keine Frage, deutsche Unternehmen wären nicht hier, wenn Bulgarien sich nicht zu einem attraktiven Standort entwickelt hätte", sagte er. Dazu gehört auch der Wunsch, viel Energie in die Ausbildung junger Menschen zu investieren. "Wir sind aus deutscher Sicht auch gern bereit Ihren Weg in die dualen Berufsbildung unterstüzen", fügte Steinmeier hinzu.

„Die deutsche Wirtschaft zeigt in Bulgarien nachhaltige und starke Präsenz“, sagte Präsident Rumen Radev. „Über 5000 deutsche Unternehmen sind in Bulgarien vertreten. 30% der 100 größten Investoren in Bulgarien sind deutsche Unternehmen ", unterstrich er. Radev hat angegeben, dass deutsche Investitionen hauptsächlich in der Industrie liegen, was nachhaltiges Wirtschaftswachstum garantiert. „Das deutsche Geschäft legt sehr hohe Standards" “, sagte er.

Der bulgarische Präsident versicherte den Teilnehmern, dass im bulgarischen Bildungssystem ernsthafte Transformationen laufen, um die Verbindungen zwischen Wirtschaft und Bildung zu stärken.  Der Präsident hob auch die jungen Leute im Land als einen wichtigen Faktor hervor. Sieben Millionen Bulgarien stehen bei allen naturwissenschaftlichen Olympiaden an sechster Stelle der Welt in Summe der Medaillen. "In dieser Hinsicht sind wir Deutschland weit voraus", betonte Präsident Radev, und bezeichnet dies als enormes Potenzial, das bereits realisiert.

„Solche hochrangigen politischen Besuche wirken in unserem Land als Katalysator und bieten wichtige Vorteile für die Wirtschaft“, sagte Mitko Vassilev, Hauptgeschäftsführer der DBIHK, der die Diskussion eröffnete. Hauptthemen der Diskussion waren Arbeitskräftemangel, duale Berufsausbildung, Rechtstaatlichkeit, Gesundheit, Sektor der Automobilzulieferer, Infrastruktur und Energie, Digitalisierung und Innovation.

Das Defizit der Spezialisten war eines der Hauptthemen beim Rundtischgespräch. Die Vertreter der Wirtschaft haben die Notwendigkeit der Integration von Minderheiten in den Arbeitsprozess hervorgehoben, um dem Mangel an Personal im Land zu begegnen. Eine weitere Quelle von Arbeitskräften sind die Bulgaren im Ausland. Damit sie überzeugt sind, dass Bulgarien gute Karrieremöglichkeiten bietet, sollen die Medien die guten Beispiele verbreiten.

Vertreter deutscher Unternehmen, die die duale Berufsausbildung entwickeln, äußerten ihre Besorgnis darüber, dass die dreijährige duale Berufsausbildung für junge Menschen in Bulgarien nicht attraktiv ist und nicht in Familien gefördert wird. Die eventuelle nationale Anerkennung dieser Art von Qualifikation wäre für junge Menschen motivierend.

Deutsche Unternehmen haben keinen echten Zugang zur öffentlichen Ausschreibungen. Große öffentliche Aufträge, zum Beispiel im Baugewerbe, werden von denselben Unternehmen erhalten, teilen die deutschen Investoren mit. Bei der Rechtsstaatlichkeit wurden einige Fortschritte erzielt, die Justiz ist jedoch immer noch sehr langsam. Die Gesetze in Bulgarien sind gut, aber ihre Umsetzung ist ein Problem. Während des Rundtisches erklärten die Investoren, dass sie beim Eintritt in den bulgarischen Markt hervorragende Unterstützung erhalten hätten, auch auf politischer Ebene. Das Gesundheitssystem braucht Reformen, um effektiv arbeiten zu können. Aus Investitionssicht ergeben sich daraus viele Chancen.

Ein weiteres Thema der Diskussion war die Entwicklung der Automobilindustrie im Land. Die Produktion von Teilen und Komponenten hat sich um ein Vielfaches in Bulgarien erhöht, sagten Vertreter der Industrie. Für neue Marktteilnehmer ist Bulgarien ein vielversprechender Standort. Die Unternehmen in Bulgarien streben nach Digitalisierung. In der Industrie und Energie gibt es viele Möglichkeiten für Investitionen und Wachstum. Die Digitalisierung ist eines der größten wirtschaftlichen Wachstumspotenziale in Bulgarien. Das Land ist das IT-Outsourcing-Ziel Nummer eins in Europa und das dritte in der Welt mit einer hoch entwickelten Startup-Szene. Die Gründe dafür sind die Talente im Land und die qualitative Ausbildung im Bereich der Informationstechnologie.

 

 

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