Die Energieministerin Temenuzhka Petkova traf sich mit Mitgliedern der DBIHK

Der Energiesektor Bulgariens war das Thema des Arbeitstreffens mit der bulgarischen Energieministerin Temenuzhka Petkova, das die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer am 10. Dezember 2018 für ihre Mitglieder organisierte.

„Das Thema Energie ist ein sehr spannendes aber auch schwieriges Thema, weil es zur Hälfte ein Wirtschaftsthema und zur anderen Hälfte ein politisches Thema ist“, betonte der DBIHK-Vizepräsident Ramon Harps.

Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bulgarien S. E. Herbert Salber teilte mit, dass Deutschland ein Gespräch über die Perspektiven der Energiewirtschaft in Bulgarien mit aller großem Interesse zu höre.

Die Ministerin Petkova stellte den DBIHK-Mitgliedern die Prioritäten der Regierung in diesem Sektor vor. „Das Thema „Energie“ ist äußerst wichtig, weil es sich auf die Verbraucher, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, aber auch auf die Energiesicherheit bzw. die nationale Sicherheit jedes Landes bezieht. Sie ist ein bedeutender struktureller Sektor in der bulgarischen Wirtschaft“, sagte sie und fügte hinzu, dass dieser Sektor fast 4% des BIP des Landes ausmache.

Eine wichtige Regierungspriorität in diesem Sektor beziehe sich auf die Diversifizierung der Quellen und der Wege der Energieversorgung des Landes. In dieser Hinsicht arbeite der Staat daran, Verbindungen zwischen Bulgarien und den Nachbarländern herzustellen. Die Verbindungsleitung zwischen Bulgarien und Griechenland werde eine Diversifizierung der Erdgasquelle von der kaspischen Region ermöglichen. Seit Ende 2016 ist die Verbindungsleitung mit Rumänien eine Tatsache. Zusammen mit der Europäischen Kommission wurde ein Konzept für den Bau eines Gasverteilungszentrums in Bulgarien entwickelt. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden Anfang 2019 präsentiert. Bulgarien nimmt am Bau des LNG-Terminals in Alexandroupolis teil. Dadurch werde es dem Land ermöglicht, Flüssigerdgas aus den USA und Algerien zu importieren. Bis Ende des Jahres sollte „Bulgartransgaz“ eine Tochtergesellschaft gründen, um eine Gasbörse in Bulgarien zu starten.

Im Elektrizitätsbereich sei Bulgarien eines der letzten EU-Mitgliedstaaten, das seinen Elektrizitätsmarkt nicht vollständig liberalisiert habe, sagte Ministerin Petkova. Der Grund dafür ist die große Anzahl von energiearmen Personen im Land. „Es ist aber der Mechanismus, der die Wettbewerbsfähigkeit und die realen Marktpreise gewährleisten wird“, betonte sie.

Europa setzt auf eine Dekarbonisierung der Wirtschaft und die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen. Die bulgarischen Kohlekraftwerke werden im Sichtfeld der Europäischen Kommission als umweltschädig angesehen. „Für uns ist dieses Thema besonders schmerzhaft, weil diese Anlagen 46% der elektrischen Energie des Landes liefern und im Winter sogar 60%“, sagte Petkova. Die Preise für Kohlenstoffemissionen steigen stetig. Als Maßnahmen zum Schutz der Kohleförderung in dem Land hat Bulgarien gemeinsam mit Polen, das ebenfalls betroffen ist, gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission vom April 2017 Berufung eingelegt. Gemäß der Entscheidung sind die Anforderungen an den großen Feuerungsanlagen und die Normen, die sie erfüllen müssen, erhöht. „Die Zentralen im Maritza-Becken müssen eine Ausnahmeregelung erhalten“, sagte Ministerin Petkova, um sowohl die Energiesicherheit als auch die Arbeitsplätze der Menschen und die Unternehmen im Bereich zu gewährleisten.

Das Kernkraftwerk Kozloduy mit den beiden Reaktoren 5 und 6 liefert 34% der bulgarischen Energie. 12% stammen aus Wasserkraftwerken. „Die Entscheidung des Parlaments über die Realisierung des AKW Belene wird es ermöglichen, das Interesse an dem Projekt zu überprüfen“. Die Bedingungen der Regierung sind, das Atomkraftwerk ohne staatliche und Unternehmensgarantien und ohne Abschluss langfristiger Verträge für den Kauf von Elektrizität umzusetzen. Anfang 2019 wird das Verfahren zum Testen des Interesses an einem Neustart der Konstruktion eingeleitet. Der bulgarische Staat beteiligt sich mit einer Sperrquote und den materiellen Vermögenswerten, die er besitzt.

Wenn Bulgarien nicht Teil des Turkish Stream werde, riskiere das Land, seine strategische Position auf der europäischen Gaskarte zu verlieren, sagte die Energieministerin. 18 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr durchlaufen Bulgarien derzeit, 14 davon für die Türkei. „Wir arbeiten daran, dass Bulgarien seinen Platz auf der strategischen Gaskarte Europas behält, und ich bin mir sicher, dass dies so sein wird“, betonte Petkova. Die Finanzierung erfolgte durch Bulgartransgaz. Es sei notwendig, 484 km neue Infrastruktur zu bauen, wobei ein großer Teil der vorhandenen Übertragungsinfrastruktur genutzt werde.

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