Die deutsche Wirtschaft hat im Zeitraum 1990-2017 6,9 Milliarden BGN in Bulgarien investiert

Der bilaterale Warenaustausch ist in den letzten 10 Jahren von 3,2 Mrd. EUR auf fast 8,3 Mrd. EUR oder um das Zweieinhalbfache gestiegen.

Die offiziellen Angaben „unterschätzten“ die deutschen Investitionen in Bulgarien um etwa 25% oder um fast 1,4 Milliarden BGN, sagte Dr. Mitko Vassilev, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer (DBIHK) während des Wirtschaftsforums mit dem bulgarischen Premierminister Boyko Borissov. Der Fokus der Veranstaltung lag auf zwei Analysen - „Deutsche Investitionen in Bulgarien (1990-2017)“ und „Deutsch-Bulgarische Handelsbeziehungen(2001-2018)“, die vom Institut für Wirtschaftspolitik und vom Institut für Marktwirtschaft mit der Finanzunterstützungder Stiftungen Hanns-Seidel und Konrad Adenauer erstellt wurden.

Die amtliche Statistik unterschätzt bzw. überschätzt die Herkunft der Investitionen in Abhängigkeit davon, ob der eigentliche Eigentümer in Bulgarien unmittelbar oder über eine Tochtergesellschaft in einem Drittland investiert.

Um die amtlichen Statistikdaten zu ergänzen und die sogenannten mittelbaren deutschen Investitionen zu erfassen, hat das Institut die Unternehmen identifiziert, deren tatsächlicher Eigentümer eine natürliche oder juristische Person in Deutschland ist. Damit steigt der Anteil der deutschen Investitionen in Bulgarien von derzeit 6,8% auf 8,49% aller ausländischen Direktinvestitionen. Diese Korrektur macht Deutschland Ende 2017 zum zweitwichtigsten Herkunftsland ausländischer Direktinvestitionen in Bulgarien mit einem Anteil von 8,49% an allen ausländischen Direktinvestitionen, während Österreich mit einem Anteil von 8,45% an dritter Stelle liegt. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie vom Institut für Marktwirtschaft zeigen, dass die amtliche Statistik die deutschen Investitionen in Bulgarien um etwa 25% oder fast 1,4 Milliarden BGN unterschätzt.

Nahezu 66% aller mittelbaren deutschen Investitionen, die von dieser Studie erfasst werden, werden durch die Vermittlung von Unternehmen in Österreich getätigt. Ein weiteres Land, aus dem ein erheblicher Zufluss mittelbarer deutscher Investitionen stammt, ist Italien mit 24%, gefolgt von den Niederlanden mit ca. 10%.

Rund 94% der deutschen Investitionen (unmittelbar und mittelbar) in Bulgarien sind auf drei wirtschaftliche Tätigkeiten konzentriert sind: Verarbeitendes Gewerbe (42%), Handel (43%) und Finanzdienstleistungen (9,3%). Laut der Analyse des Instituts für Marktwirtschaft haben die deutschen Unternehmen Arbeitsplätze für 1,6% aller Beschäftigten in Bulgarien oder 35,3 Tausend Menschen geschaffen. Die größte Konzentration bzw. der größte Einfluss auf die Wirtschaft werden in der Hauptstadt Sofia, in der Region Sofia, in Varna, Gabrovo und Rousse beobachtet.

Die gesamte Analyse über deutsche Investitionen in Bulgarien 1990-2017 finden Sie hier.

Die zweite Studie, die vom Institut für Marktwirtschaft erstellt wurde, fasst die positiven Trends im Handel mit Deutschland zusammen. Die temporäre Darstellung schließt sowohl die Jahre der Vorbereitung auf die Mitgliedschaft in der NATO und in der EU, wie auch ein Jahrzehnt der Angleichung an den Status eines Mitgliedslandes und der Bemühungen ein, eine Konvergenz mit den Ländern mit höherem Lebensstandard zu erreichen.

In Bezug auf den Umfang des bilateralen Handels gehört Bulgarien zu den Top 20 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands im Rahmen der EU. In der Rangfolge des Handelsumsatzes belegt Bulgarien die 41. Position unter allen 234 Ländern und Gebieten der Welt, mit denen die Firmen in der Bundesrepublik Deutschland handeln. Im letzten Jahrzehnt überholt der bulgarische Export wieder den Import aus Deutschland zum dritten Mal: 2013, 2017 und 2018.

In den Zeitraum 2001-2018 verzeichnet der bilaterale Warenaustausch einen durchschnittlichen Jahreszuwachs von 10%, wobei er allein in den letzten 10 Jahren von 3,2 Mrd. EUR auf fast 8,3 Mrd. EUR oder um das Zweieinhalbfache wächst.

Deutschland exportiert vor allem elektrische Ausrüstungen, Maschinen, Automobile und Automobilteilen. Die Importe aus Bulgarien werden von elektrischen Ausrüstungen, Maschinen und Bekleidung dominiert .

Bulgarien verzeichnet mit elf der sechszehn deutschen Bundesländer eine positive Handelsbilanz.

Nach dem Beitritt Bulgariens in die EU ist ein allmählicher Rückgang der führenden Position der Leichtindustrie zu beobachten. Eine immer größere Bedeutung in der Struktur des Exports sowohl nach Deutschland, wie auch insgesamt, hat die mineralgewinnende und die verarbeitende Industrie gewonnen (Kupfer und Edelmetallerzen). Die positive Wachstumstendenz ist vor allem in den Sektoren Maschinenbau, Elektronik und Elektrotechnik, Pharmazie und chemische Industrie sichtbar.

Als wahrscheinliche Impulse für die exportorientierten Sektoren mit größerem Mehrwert können sowohl die Vereinfachung des Handels infolge der Harmonisierung der Verfahren und der Standards nach der Mitgliedschaft in der EU, als auch die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit dieser Sektoren infolge von Investitionen, einschließlich solcher aus Deutschland, genannt werden.

Im Zeitraum 2001 – 2017 erfährt die Struktur des bulgarischen Exports nach Deutschland wesentliche Veränderungen. Am Anfang der Periode ist der Export in die Bundesrepublik von Produkten der Leichtindustrie dominiert, wobei 48% allein auf die Bekleidung entfallen. Bis 2010 stellte die Textilindustrie die größte Warengruppe in der Exportstruktur dar (21%), gefolgt von den Maschinen mit 18%, der mineralgewinnenden Industrie mit nur 3% des gesamten Exports in die BRD.

2011 stellt sich bereits ein grundsätzlich neuer Exportmix nach Deutschland ein: mit ihm beginnt die Tendenz des starken Wachstums des materialgewinnenden Sektors (vor allem mit dem Kupferexport) und des Maschinensektors (sowohl Fahrzeuge, wie auch Teile davon), auf welche 2011 jeweils 19% des Exports nach Bulgarien entfallen.

2017 entfällt ein Viertel des Exports auf Maschinen, Geräte und Elektronik, während der Export von Kupfer und anderen Metallen insgesamt 18,1% darstellt. Die Erzeugnisse der Bekleidungsindustrie verzeichnen einen Rückgang von ca. 8,5%.

Die Partnerschaft mit deutschen Unternehmen erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der bulgarischen kleinen, mittleren und großen Unternehmen und trägt zum Transfer guter Praktiken in Bereichendes Managements, der sozialen Verantwortung und der nachhaltigen Entwicklung bei.

Die gesamte Analyse finden Sie hier.

Premierminister Boyko Borissov nahm an der offiziellen Präsentation der Analysen während des Wirtschaftsforums der DBIHK teil. Er gab bekannt, dass Bulgarien voraussichtlich im Juli in den Warteraum zur Eurozone eingeladen wird. Das Land gehört zu den drei EU-Ländern mit der niedrigsten Auslandsverschuldung, einschließlich der Finanzdisziplin, dank des vor über 20 Jahren in Bulgarien eingeführten Currency Board. In Bezug auf den Beitritt Bulgariens in den Schengen-Raum äußerte Borissov die Ansicht, dass mehrere europäische Länder daran gehindert hätten, die „egoistisch das Interesse ihrer Völker wahren“. Der Ministerpräsident sieht kein Hindernis für die Beseitigung von Hindernissen für den Luft- und Meeresraum.

Im Rahmen der anschließenden Diskussion mit den Gästen des Forums war die Zusammenarbeit zwischen der DBIHK und der Regierung in der ersten Amtszeit des Kabinetts von Borissov betroffen, wodurch verschiedene Maßnahmen zur Entlastung der Unternehmen im Land ergriffen wurden, beispielsweise die Einführung der dualen Ausbildung im Arbeitsgesetzbuch und des Elektronischen Krankenhausaufenthalt bei dem Nationalen Versicherungsinstitut. Der Premierminister hat sich verpflichtet, die gemeinsame Arbeit zu erneuern. „Wir unternehmen große Anstrengungen, um die Preise auszugleichen, die Macht auszugleichen und neue aufzubauen“, sagte der Premierminister zu einer Frage in Bezug auf die Energiestrategie des Landes. Damit die Bulgaren aus dem Ausland zurückkehren können, müssen sich die Gehälter den Europäischen nähern, sagte Borissov.

„Erfolge in der bilateralen Zusammenarbeit und hohe Investitionen tun jeder Volkswirtschaft gut – sie sorgen für Synergien, Wohlstand, ein gutes allgemeines Klima und bilden den Grundstock für weiteres gesundes Wachstum“, sagte der DBIHK-Präsident Tim Kurth. In seiner Rede erwähnte er auch die Herausforderungen für die deutschen Unternehmen in Bulgarien: Ausbau der vorhandenen Infrastruktur, Reformierung des Bildungssystem, Förderung des Rechtssystem und Bekämpfung der Korruption.

„Deutsche Unternehmen arbeiten gerne in Bulgarien mit Bulgaren“, sagte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bulgarien, S.E. Herbert Salber und zeigte sich zuversichtlich, wenn das Wirtschaftwachstum in Bulgarien eine Weile anhält, hat Bulgarien eine reale Chance zum europäischen Durchschnitt aufzuschließen. „Investitionen z.B. aus Deutschland tragen dazu bei, dass Wertschöpfung sich vertieft, dass Arbeitsplätze geschafft werden, dass Wohlstand sich entwickelt“, sagte Dieter Althaus, Ministerpräsident a.D. und Mitglied des Vorstandes der Konrad-Adenauer-Stiftung. Der Leiter der Vertretung der Hanns-Seidel-Stiftung in Bulgarien Bogdan Mirchev unterstrich, dass die politische Stabilität Bulgariens eine Rolle beim Wachstum deutscher Investitionen gespielt hat.

Zurück