Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften – eine grundlegende Herausforderung für deutsche Unternehmen in Bulgarien

Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ist eine grundlegende Herausforderung für deutsche Unternehmen in Bulgarien, das zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage für das Geschäftsumfeld in Bulgarien, die die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer jährlich seit 2005 unter ihren Mitgliedern durchführt.

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108 DBIHK-Mitgliedsunternehmen nahmen an der Umfrage teil, die vom 1. Februar bis zum 1. März 2018 gleichzeitig in 15 mittel- und osteuropäischen Ländern stattfand. 71% von den Unternehmen, die teilgenommen haben, fallen unter die Kategorie kleine und mittlere Unternehmen. Die Großunternehmen, mit mehr als 250 Mitarbeitern- besitzen einen Anteil von 29%. Die Untersuchung ist ein Barometer des wirtschaftlichen Klimas und hebt die Stärken und Schwächen von Bulgarien als Geschäftsstandort hervor.

Die Mehrheit der Befragten (53%) bewertet die Wirtschaftslage in Bulgarien als zufriedenstellend, wobei 44% glauben, dass sich in diesem Jahr die allgemeine Wirtschaftslage im Land verbessern wird. Die Unternehmen sind optimistischer bezüglich ihrer eigenen Geschäftstätigkeit. 63% der Befragten geben an, dass sich die Lage ihrer Unternehmen in diesem Jahr verbessern wird, wobei 49% auf einen Anstieg des Exports hoffen und 46% mehr Investitionen in 2018 planen. Auf die Frage „Würden Sie heute wieder Bulgarien als Investitionsstandort wählen?“ antworten 88% von den befragten DBIHK-Mitgliedsunternehmen positiv (im Vorjahr lag dieser Wert bei 90%).

Zweifellos ist eine der größten Herausforderungen für die Arbeitgeber in Bulgarien der Fachkräftemangel, der eine Folge der anhaltenden Emigration, der demografischen Krise und der unbefriedigenden Qualität der Ausbildung im Land ist. 48% von den Unternehmen erklären sich bereit, neue Mitarbeiter einzustellen, während sich 7% wahrscheinlich von einem Teil der Mitarbeiter trennen werden. Im Vergleich zur letztjährigen Umfrage bleiben die Ergebnisse unverändert.

Für ein weiteres Jahr steht das Land am Ende der Rangliste für die Qualität von akademischer Ausbildung. Nur knapp über 20% von den Befragten meinen, dass man Absolventen in Bulgarien vorbereitet, um die Anforderungen des Arbeitsmarktes zu erfüllen. Bei der beruflichen Ausbildung gibt es gewisse Verbesserungen. Als konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der Krise sehen die Investoren das Zurückholen der Bulgaren aus dem Ausland, die Einstellung von Arbeitnehmern aus Drittstaaten und Investitionen in die Ausbildung. Ungefähr 10% beträgt das Wachstum der Arbeitskosten, das die Arbeitgeber planen. Die steigenden Arbeitskosten und die unzureichende Produktivität beunruhigen die Arbeitgeber auch.

Die Mitgliedschaft Bulgariens in der Europäischen Union ist zweifellos eine der Wettbewerbsvorteile des Landes. 83% von den Befragten sind damit zufrieden oder sehr zufrieden. Immer mehr Unternehmen - 48% (2017: 42%) unterstützen den Beitritt Bulgariens zur Eurozone, 36% sind über die Einführung der einheitlichen europäischen Währung eher besorgt.

Die Korruption, der Mangel an Rechtsstaatlichkeit, sowie die unzureichende Transparenz in den öffentlichen Aufträgen gehören immer noch zu einigen der größten Herausforderungen für Unternehmen im Land. 72% von den Befragten sind mit den Fortschritten im Kampf gegen die Korruption und die Kriminalität nicht zufrieden. Das Vertrauen in die öffentliche Verwaltung hat sich minimal erhöht. Hinsichtlich der politischen und sozialen Stabilität ist die Zufriedenheit leicht über dem Durchschnitt für Mittel- und Osteuropa. Das ist aber nicht der Fall bei der Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik.

In Bezug auf die Steuerlast und die Arbeitskosten liegt Bulgarien für ein weiteres Jahr an der Spitze (erster und zweiter Platz) im Vergleich zu den anderen 15 Ländern in Mittel- und Osteuropa, die die Umfrage parallel durchführten.

Unterschiedlich sind die Meinungen zur Rolle der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft als Katalysator für die Wirtschaft. 44% glauben, dass sie eine katalytische Wirkung haben wird. Genauso viele sind skeptisch.

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes hat der Wert des Handelsumsatzes zwischen Bulgarien und Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert von 7,51 Mrd. Euro erreicht. Das ist ein Wachstum von 12,7% im Vergleich zum Vorjahr. Die bulgarischen Ausfuhren entwickelten sich vorwegnehmend im Vergleich zu den Importen aus Deutschland. Das Handelsdefizit für Deutschland beträgt 136,6 Millionen Euro. Bulgarien hat Güter im Wert von 3,82 Mrd. Euro nach Deutschland exportiert (Wachstum von 20,1% im Vergleich zum Vorjahr), die Einfuhren beliefen sich auf 3,68 Mrd. Euro (Wachstum von 6% im Vergleich zum Vorjahr). Der Wert der deutschen Investitionen in Bulgarien für 2017 beträgt 130,7 Mio. EUR nach Daten der Bulgarischen Nationalbank.

Detaillierte Ergebnisse

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