Konferenz zum Thema „Gesundheitsschutz für jeden EU-Bürger“

15.03.18

Im Rahmen der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft 2018 fand am 26. Februar 2018 eine Konferenz zum Thema „Gesundheitsschutz für jeden EU-Bürger“ im Universitätskrankenhaus „St. Catherine“ in Sofia statt. Organisator der Veranstaltung war die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK) auf Initiative des Fachausschusses „Gesundheit“ bei der Kammer.

Die Konferenz sprach problematische Aspekte in der aktuellen bulgarischen Gesundheitsversorgung an und bot zugleich Einsicht in die deutsche Handhabung. Ziel dieser Konferenz war es, Impulse für wirksame und zukunftsträchtige Veränderungen aufzuzeigen.

Der stellvertretende Minister für die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft, Oleg Petkov, las eine Grußansprache im Namen von Ministerin Lilyana Pavlova vor. „Im Bereich der Gesundheit konzentriert sich die bulgarische Präsidentschaft auf ein Schlüsselthema – gesunde Ernährung für Kinder – denn zu den globalen Prioritäten unserer ersten rotierenden Präsidentschaft gehören die jungen Menschen", schrieb sie.

„Während der bulgarischen Präsidentschaft haben wir zwei gemeinsame politische Prioritäten – erstens die gesunde Ernährung bei Kindern und zweitens die Verbesserung des Zugangs zu wirksamen Medikamenten“, sagte Dr. Boyko Penkov, stellvertretender Minister für Gesundheit Bulgariens und fügte hinzu, dass die Zukunft Europas nicht möglich sei, ohne eine gesunde und gut ausgebildete junge Generation. Ferner betonte er die Notwendigkeit für Effizienz in beiden Punkten: die Behandlung der Patienten und die effiziente Nutzung von öffentlichen Mitteln für die finanzierenden Institutionen. Penkov sprach sich zudem für Einführung von E-Gesundheitsversorgung ebenso wie für ein nationales Gesundheitsinformationssystem aus, welche zur Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung sowie zur Erhöhung ihrer Effizienz beitrügen.

Die Aktualisierung und Synchronisierung des Rechtsrahmens, die Schaffung von E-Gesundheitsversorgung und einheitlichen Standard für die Einführung von Gesundheitstechnologien sind weitere Ziele, die im Memorandum dargelegt sind. „Es ist kein Geheimnis, dass unsere Gesundheit Gegenstand der Kritik aus der Öffentlichkeit ist und Frustration hervorruft, sowohl bei Patienten als auch bei medizinischem Personal. Themen wie mangelhafte Finanzierung – unsachgemäß in vielen Krankenhäusern – ineffiziente Ausgaben der ohnehin kleinen Fonds, Originalmedikamente oder Generika, der Mangel an Qualitäts- und Kontrollsystemen, für oder gegen Demonopolisierung der Krankenkasse usw. sind Herausforderungen in diesem Forum“, sagte Prof. Dr. Gencho Nachev, Geschäftsführer der Universitätsklinik „St. Catherine“.

Mark Schreiner, Leiter EU-Politik/Internationale Beziehungen/Gesundheitswirtschaft, Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V., bot einen vielumfassenden und detailreichen Überblick über den Zugang zu innovativen Arzneimitteln, Innovationen in der medizinischen Versorgung und damit verbundenen Hürden.

Johannes Eisenbarth thematisierte die Herausforderungen hinsichtlich des Zugangs zu innovativen und bezahlbaren Arzneimitteln aus einer wirtschaftlichen Perspektive und stellte Lösungsvorschläge wie den AMNOG-Prozess vor. Diese Ausgangslage wird auch im EU-Parlament debattiert und wirft relevante Fragen bezüglich der Implementierung auf.

Der zweite Teil der Konferenz widmete sich der Fragestellung um Finanzierungsmethoden in der Gesundheitsversorgung. Mark Schreiner leitete dieses Thema mit einer Darstellung der Finanzierungslage im Hinblick auf die Krankenhäuser in Deutschland ein und gewährte einen Einblick in aktuelle und zukünftige Änderungen. Veränderungsvorschläge, wie die Auflösung des bestehenden dualen Systems in der Finanzierung der Krankenhäuser, sind bereits in Diskussion.

Die Einhaltung der Mindestgesundheitsstandards für medizinische Hilfe und verlängerte Wartung der Geräte sowie die Einführung einheitlicher Anforderungen für Labortests sind weitere wichtige Änderungen, die im Memorandum dargelegt sind. „Unsere Krankenhäuser werden mit einer Excel-Tabelle geführt – nur Einnahmen und Ausgaben. Es ist wichtig, dass die Bilanz für den Monat erreicht wird oder, dass sie nicht zu schlecht ausfällt. Aber es gibt keine Statistiken über Interventionen, Todesfälle, Krankenhausinfektionen und andere Richtgrößen“, sagte Prof. Dr. Asen Gudev. Er war kategorisch in seiner Aussage, dass jedes Krankenhaus eine Aufzeichnung von Interventionen sowie die Kontrolle über ihre Implementierung haben sollte, welche gerechtfertigt sind und welche nicht.

Klar wurde während der Konferenz außerdem, dass die Gesundheitskosten, nicht nur in Bulgarien, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern, zunehmen. „Bulgarien ist das letzte Land im Bereich der Gesundheitsausgaben in Europa. Leider werden etwa die Hälfte der Gesundheitskosten von den Patienten selbst getragen“, sagte Dr. Rosen Dimitrov von Novartis. Ihm zufolge ist ein Teil des Problems auf die ineffiziente Nutzung des Großteils der Ressourcen in diesem Sektor zurückzuführen.

Derzeit gibt es 110 Krankenkassen in Deutschland, und nur eine in Bulgarien. Wenn der Wettbewerb in staatlichen Krankenkassen erhöht wird und private Krankenkassen auf dem Markt zugelassen werden, würden sich viele Dinge im Gesundheitswesen verbessern, sagte Dr. Dimo Kyurkuchiyev. Seiner Meinung nach sollen die Bulgaren mehr als eine Kasse wählen dürfen. Ein Beispiel wurde mit den nicht versicherten Menschen in Deutschland angeführt, deren Zahl etwa 45-50.000 beträgt, während sie über 1 Million in Bulgarien zählt.