Konferenz „Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bulgarien und Deutschland: Wir sichern eine europäische Erfolgsgeschichte“

23.06.17

Etwa 100 Vertreter von den DBIHK-Mitgliedsfirmen und -Partner beteiligten sich an der Konferenz  „Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bulgarien und Deutschland: Wir sichern eine europäische Erfolgsgeschichte“, die am 22. Juni 2017 von der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer (DBIHK) zusammen mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit  in der Sofioter Kunstgalerie veranstaltet wurde.

Die Erfolgsformel zum Durchbruch auf den deutschen Markt sind qualitative Waren, eingehaltene Fristen und wettbewerbsfähigen Preise – das wurde während der Diskussion deutlich. Das, was die deutschen Unternehmen nach Bulgarien zieht, sind die niedrigen Arbeitskosten, das Steuersystem, die niedrigen Energiekosten, die EU-Mitgliedschaft und die sehr gut ausgebildeten Fachkräfte. Vertreter von Unternehmen äußerten den Wunsch, dass die Wirtschaft bei der Besprechung von Gesetzesentwürfen und administrativen Plänen der Regierung in früher Phase mitwirkt, damit das Positive und das Negative diskutiert werden kann. Im Bildungssystem sind Reformen erforderlich, damit dieses dem wachsenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften entsprechen kann. Hier ist die duale Berufsausbildung eine mögliche Lösung. An dieser Aufgabe arbeiten die DBIHK und die deutschen Firmen in Bulgarien sehr intensiv.

„Wir befinden uns aktuell in einem sehr wichtigen Moment für Bulgarien, wo die starken Wirtschaften innerhalb der Eurozone über ein Europa mit zwei Geschwindigkeiten zu sprechen begonnen haben. Bis vor einem Jahr war so eine Einteilung von Staaten innerhalb der Europäischen Union nicht denkbar und steht im Gegensatz zum Sinn der Vereinigung. Heute sieht es mit der BREXIT-Situation anders aus. Für Bulgarien ist es wichtig, nicht in der Randzone, außerhalb der Eurozone und der gemeinsamen Energie- und Migrationspolitk zu bleiben. Die EU-Ratspräsidentschaft Anfang nächsten Jahres gibt Bulgarien die historische Chance, die Prozesse zu beeinflussen und sich auf die Art und Weise vorzustellen, wie Bulgarien es will, dass die Welt auf das Land blickt“, sagte in seiner Begrüßungsrede der DBIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Mitko Vassilev.

„Bei der Entwicklung der deutsch-bulgarischen Wirtschaftsbeziehungen gehen Politik und Wirtschaft Hand in Hand. Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Bulgarien sind eng und beruhen auf gegenseitigem Vertrauen“,  hob der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bulgarien S.E. Detlef Lingemann hervor, indem er an die Staatsbesuche des Präsidenten Radev und des Ministerpräsidenten Borisov in Berlin erinnerte. „Die enge Zusammenarbeit auf der politischen Ebene bildet auch den Rahmen für den wirtschaftlichen Erfolg“, fügte er noch hinzu, und betonte darauf, dass trotz Fortschritten in den letzten Jahren in Bulgarien weitere Anstrengungen im Bereich Rechtsstaatlichkeit und Verwaltungsvereinfachung notwendig seien. Auch ein energischer Kampf gegen die Korruption sei erforderlich, um das Vertrauen neuer ausländischer Investoren zu gewinnen. 
Der stellvertretende Wirtschaftsminister Lachezar Borisov betonte vor den Konferenzteilnehmern, dass eine von den Prioritätsaufgaben des Wirtschaftsministeriums der reguläre und effektive Dialog mit den Unternehmen sei, damit gemeinsame Lösungen zur Verbesserung des Geschäftsklimas und die Schaffung von günstigen Bedingungen zur beschleunigten Wirtschaftsentwicklung realisiert werden. Seinen Worten nach sind schon konkrete Maßnahmen für eine Minderung der administrativen Belastung unternommen worden.
Der Projektleiter für Südosteuropa der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit  Daniel Kaddik äußerte die Meinung, dass de facto ein Europa mit verschiedenen Geschwindigkeiten existiert: „Wir haben ein Europa der Eurozone, eines des Schengenraums, sogar ein Europa der Östlichen Partnerschaft. Wir sollten uns dieser Realität stellen und uns folgende Fragen stellen: Wie sollen wir in dieser Situation vorgehen und wie können sich Bulgarien und Deutschland gemeinsam auf der Überholspur im Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten bewegen?“.

Dabei sei es jedoch nicht nur wichtig, Best Practices aus Deutschland zu übernehmen, meinte Anna-Marie Vilamovska, Leiterin des bulgarischen IT Talent Clusters. Bulgarien sei in einer Situation, in der das Land Entwicklungsschritte mit Hilfe von Partnern einfach überspringen könnte. Dies gelte für die Wirtschaft ebenso wie für den politischen Prozess. Dabei müsse Bulgarien aber auch seiner Verantwortung gerecht werden und gestaltend tätig sein; sagen, welches Europa man wolle. Daran könnten der reichste und der ärmste Mitgliedsstaat dann gemeinsam arbeiten, um keinen Zweifel an einer gemeinsamen Vision aufkommen zu lassen.

Die DBIHK-Vizepräsidentin Dr. Maya Neidenowa unterstrich die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, worauf Bulgarien und Deutschland stolz sein können. Beweis dafür sei das kontinuierliche Wachstum in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern, das nach dem EU-Beitritt Bulgariens festzustellen sei. „Nach BNB-Angaben für das Vorjahr ist Deutschland der viertgrößte ausländische Investor in Bulgarien. Die direkten Investitionen aus Deutschland betragen 124 Mio. Euro im Jahr 2016. Der Warenaustausch zwischen beiden Ländern verzeichnete 2016 wieder einen Rekord (6,66 Mrd. Euro)“, wies sie allerdings auch darauf hin, mit Bedauern, dass diese positiven Vorteile nicht ausreichend unter den deutschen Unternehmen, in staatlichen Behörden und in den Medien publiziert werden.

Bildergalerie: Konferenz und Sommerfest