AHK-Konjunkturumfrage 2017

26.04.17

Bulgarien bleibt eine stabile Wirtschaftsdestination trotz der schwierigen innen- und außenpolitischen Lage.

Trotz der andauernden Probleme, über die Investoren seit Jahren berichten und die bislang noch nicht gelöst wurden, gewinnt Bulgarien als Investitionsstandort an immer größerer Attraktivität.

Das Jahr 2016 hat einen erneuten Rekordwert beim Handelsvolumen zwischen Bulgarien und Deutschland von 6,66 Mrd. Euro hervorgebracht. Laut der bulgarischen Nationalbank (BNB) beliefen sich die Direktinvestitionen aus Deutschland in Bulgarien in 2016 auf 124,2 Mio. Euro.

Die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer (DBIHK) führt seit 2005 unter ihren Mitgliedsunternehmen die Konjunkturumfrage durch. Die Umfrage identifiziert die Vorteile Bulgariens als Wirtschafts- und Investitionsstandort und deutet gleichzeitig auf die Probleme für die Wirtschaft vor Ort hin.

102 Mitgliedsunternehmen der DBIHK beteiligten sich an der Konjunkturumfrage 2017, die parallel in den 15 MOE-Staaten vom 1. Februar bis zum 1. März 2017 durchgeführt wurde. 67% der teilnehmenden Unternehmen gehören zur Kategorie der KMUs mit weniger als 250 Mitarbeitern. Der Anteil der Großunternehmen beläuft sich auf 33%.

Die DBIHK-Mitgliedsunternehmen sind mit kleinen Ausnahmen vorwiegend bulgarische Unternehmen, die Handel- und Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland pflegen, sowie deutsche Investoren in Bulgarien. Auf die Frage „Würden Sie heute wieder Bulgarien als Investitionsstandort wählen?“ gaben 90% der befragten Mitgliedsunternehmen eine bejahende Antwort. Im Vergleich dazu antworteten im Vorjahr 84% mit ja. 59% beurteilen die gegenwärtige Wirtschaftslage Bulgariens als gut. 62% der Befragten prognostizieren eine Verbesserung der Geschäftslage ihrer Unternehmen, wobei lediglich 6% mit einer Verschlechterung rechnen. 56% der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass der Exportabsatz ihrer Unternehmen im laufenden Jahr steigen wird. Eine Verringerung wird lediglich von 3% erwartet. 47% der befragten Unternehmen sehen für 2017 mehr Investitionsausgaben vor, wobei 41% mit keiner Änderung gegenüber dem Vorjahr rechnen. Was die Arbeitskräfte betrifft, planen 48% der Unternehmen neue Arbeiter einzustellen, während 7% höchstwahrscheinlich einem Teil der Beschäftigten kündigen werden. Im Vergleich dazu wurden im vorigen Jahr Neueinstellungen von 39% der Befragten geplant, und Entlassungen von 9%. Unbestritten ist die Zufriedenheit der Unternehmen mit der Mitgliedschaft Bulgariens in der Europäischen Union. Kein Einziger der Teilnehmer hat eine negative Meinung geäußert. Bei der Frage über die Einführung der europäischen Einheitswährung ist die Lage nicht so eindeutig. 42% der Befragten setzen sich für die Einführung des Euro ein, während 38% sie ablehnen.

Die ineffektive öffentliche Verwaltung, die rechtliche Unsicherheit, die ineffektive Korruptions- und Verbrechensbekämpfung, die mangelnde Transparenz bei der öffentlichen Vergabe, sowie der Mangel an politischer und sozialer Stabilität, die eine Unvorhersehbarkeit der Wirtschaftspolitik mit sich bringen, sind die Hindernisse, die die Wirtschaft zum wiederholten Male hervorhebt und die Bulgarien auf einen der letzten Plätze in Mittel- und Osteuropa stellen.

Was die Steuerbelastung und die Arbeitskosten betrifft, rangiert Bulgarien auf dem ersten bzw. zweiten Platz unter den anderen 15 MOE-Ländern, in denen die Umfrage ebenfalls durchgeführt worden ist.

Bulgarien liegt am Ende der Rangliste, was die Qualität der beruflichen und der akademischen Ausbildung betrifft. Die gut vorbereiteten Fachkräfte, die den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes entsprechen, können die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gegenüber seinen Nachbarländern erhöhen. Aus diesem Grund setzt sich die Wirtschaft für höhere Investitionen für eine qualitative Ausbildung ein. Die Einführung von Elementen des sich in Deutschland bewährten Systems der dualen Berufsausbildung in Bulgarien wäre eine geeignete Maßnahme, den Anforderungen der Wirtschaft an ausgebildetem Personal gerecht zu werden und Problemen wie Arbeitslosigkeit und Mangel an Fachkräften zu begegnen.

Die Wirtschaft braucht mehr Stabilität und Vorhersehbarkeit. Und die politischen Herausforderungen haben einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft – diese Position vertreten 83% der Befragten, die der Meinung sind, dass die politische Krise in Bulgarien nach dem Rücktritt des zweiten Borissov-Kabinetts im November 2016 die Wirtschaft negativ beeinflussen wird.

Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt für die bulgarische Produktion. Im vorigen Jahr belief sich der bulgarische Export nach Deutschland auf 3,17 Mrd. Euro und verzeichnet ein Wachstum von 12% gegenüber 2015. Der deutsche Export nach Bulgarien betrug in 2016 3,48 Mrd. Euro, oder 1,1% mehr als im vorigen Jahr. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat das Handelsvolumen zwischen Bulgarien und Deutschland im Jahr 2016 einen neuen Rekordwert von ca. 6,66 Mrd. Euro erreicht (Anstieg von 6% gegenüber dem Vorjahr).

Die aktuellen Daten über das Handelsvolumen und die Investitionen stimmen der positiven Einstellung der Unternehmen gegenüber Bulgarien als Investitionsstandort zu. Wenn man aber über konkrete Wirtschaftsfaktoren spricht, dann werden von der Wirtschaft entscheidende Schritte erwartet – zur Durchführung einer Justizreform, für eine höhere Qualität der Ausbildung, zur Sicherung von Transparenz bei öffentlicher Vergabe und bei der Korruptionsbekämpfung.

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